Es ist nun 49 Jahre her, dass Harald zur Hausen erstmals die Hypothese publizierte, dass humane Papillomviren eine Rolle bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs spielen. Damit war ein Meilenstein gelegt, der zur Entwicklung von HPV-Impfstoffen führte. Seit 2016 ist ein Impfstoff verfügbar, der vor neun verschiedenen HPV schützt und damit 90 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verhindern kann. Außerdem schützen die HPV-Impfstoffe nicht nur vor zahlreichen anderen genitalen Tumoren und vor Krebs des Rachenraums, sondern auch vor Genitalwarzen – damit ist die HPV-Impfung für beide Geschlechter sinnvoll und empfohlen. Der Welt-HPV-Tag, der jährlich am 4. März gefeiert wird, soll das Bewusstsein für die Prävention von HPV-bedingtem Krebs stärken.
Internationale Vorzeigedaten
Gerade beim Bewusstsein über diese Chance der Immunisierung gibt es Nachholbedarf. Das betont Rudolf Schmitzberger, Leiter des Referats für Impfangelegenheiten der Österreichischen Ärztekammer: „Die HPV-Impfung hat eine beeindruckende Performance, sie schützt hervorragend vor Krebs – dennoch ist sie in Österreich nicht so prominent, wie sie sein sollte“, sagt er. In Staaten, in denen die HPV-Impfung bereits früher auf breiter Basis eingeführt und propagiert wurde, sind die positiven Wirkungen bereits seit Jahren erkennbar. In Australien etwa ist die Häufigkeit von Zervixkarzinomen um 87 Prozent reduziert wurde. Auch aktuelle Zahlen aus Deutschland zeigen, dass die Häufigkeit des Zervixkarzinoms bereits seit 2010 rückläufig ist: „Die HPV-Impfung ist in Österreich leider noch kein Must-have – obwohl sie es sein sollte“, bedauert Schmitzberger.
HPV-Impfung bei Ärzten unterschiedlicher Fachrichtung
Seit 2014 können Kinder zwischen neun und elf Jahren kostenfrei geimpft werden. Jahrelang wurde in Österreich mit einer Beteiligung von nur rund 50 Prozent der Berechtigten an der kostenlosen Präventionsmaßnahme eine niedrige HPV-Durchimpfungsrate beklagt. Das hat sich teilweise seit dem 1. Februar 2023 geändert. Ab diesem Zeitpunkt wurde die HPV-Impfung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene vom neunten bis zum 21. Geburtstag kostenfrei möglich, im Juli 2024 wurde das Impfprogramm auf die 21- bis 30-Jährigen erweitert. Seitdem hat sich laut Gesundheitsministerium die Zahl der verabreichten Impfungen in der Altersgruppe zwischen 21 und 30 Jahren beinahe verzehnfacht.
Die HPV-Impfung ist niederschwellig zu erhalten, betont Schmitzberger: „Seit dem Wegfall der Fächergrenzen ist es möglich, dass beispielsweise erwachsene Begleitpersonen die HPV-Impfung beim Kinderarzt erhalten, oder eben beim Hausarzt, beim Urologen, oder beim Gynäkologen – die Möglichkeiten sind vielfältig, bitte nutzen Sie diese!“, appelliert er an die Bevölkerung.
Auslaufende kostenfreie „Catch-up“-Impfaktion
Besonders 21- bis 30-Jährige sollten die Chance der kostenfreien Impfung noch heuer nutzen. Denn die kostenfreie Impfaktion in dieser Altersgruppe, die so genannte „Catch-up“ Impfung, endet 2025, ergänzt Thomas Fiedler, Obmann der Bundesfachgruppe Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Österreichischen Ärztekammer: „Da zwei Teilimpfungen im Abstand von mindestens sechs Monaten notwendig sind, muss die erste Impfung noch in der ersten Jahreshälfte erfolgen, um beide Impfungen kostenfrei zu erhalten.“ Darauf sollten auch alle Ärztinnen und Ärzte aufmerksam machen: „Unsere Aufgabe als Ärztinnen und Ärzte ist es, auf diese Möglichkeit der kostenfreien HPV-Impfung für 21- bis 30-Jährige hinzuweisen“, sagt er.